Das Management muss wissen, welche Faktoren die Kreativität eines Unternehmens beeinflussen. Viele Unternehmen verfolgen jedoch keinen strukturierten Ansatz, um sie zu fördern. Im besten Fall wird Kreativität dem Zufall überlassen. Obendrein lassen strenge Regeln und Verhaltensrichtlinien wenig Raum für kreatives Arbeiten.
Individuelle Kreativität
Kreativität ist die Produktion neuer, nützlicher Ideen. Dabei gibt es drei grundsätzliche Komponenten: kreative Denkfähigkeit, Erfahrung und Motivation (Abbildung 1). Nur wenn diese drei Komponenten im Einklang sind, können Individuen ihr kreatives Potenzial entfalten.
Während intrinsische Motivation Kreativität fördert, ist als Kontrolle empfundene extrinsische Motivation schädlich. Beispiele hierfür sind der Wettbewerb untereinander, die zu erwartende negative Bewertung eigener Ideen oder stark reglementierte Arbeitsabläufe. Natürlich gibt es auch positive extrinsische Motivation: Belohnung und Anerkennung kreativer Ideen, klar definierte Projektziele oder regelmäßiges Feedback. Solche extrinsischen Motivatoren fördern die Kreativität der Mitarbeiter, insbesondere, wenn deren intrinsische Motivation stark ausgeprägt ist.
Teamkreativität
Teams bieten ein größeres Ideenpotenzial und eine größere Arbeitsleistung als Individuen. Das Zusammenspiel von Teammitgliedern mit verschiedenen persönlichen Hintergründen stimuliert neue Ideen. Diese positiven Effekte können allerdings durch negative Effekte aufgehoben werden, zum Beispiel durch Produktionsblockade, Gruppendenken oder extreme Gruppenentscheidungen. Das Management muss sich dieser Hemmschwellen bewusst sein. Teams sind nur dann besser als Individuen, wenn gemeinsame Ziele verfolgt werden und ein gemeinschaftlich akzeptiertes Gedankenmodell die Gruppendynamik verbessert.
Organisatorische Faktoren
Innerer Unfrieden, Konservatismus sowie starres, formales Management sind organisatorische Hindernisse, die Kreativität eindämmen. Jeden dieser Faktoren werden Arbeitnehmer als störend empfinden. Harsche Kritik neuer Ideen, destruktiver interner Wettbewerb und übermäßige Betonung eines Status quo wirken sich ebenfalls negativ auf Kreativität aus.FührungsstilFührungskräfte sollten ein Erfolg versprechendes Klima schaffen, fördern und erhalten. Darüber hinaus sollten sie der Gruppe dienen, indem sie Sorgen und Nöte der Gruppenmitglieder erkennen. Dieses sogenannte Facilitative Leadership schafft ein gemeinschaftliches Umfeld, in dem kooperative Zielstrukturen wachsen können.
Führungskräfte können Kreativität fördern, indem sie ihren Mitarbeitern die Chance geben, etwas zu riskieren und neue Ideen zu generieren. Diese Ideen müssen fair und unterstützend bewertet werden, gekoppelt an Belohnungen und Anerkennung der kreativen Ideengeber. Die Einstellung gegenüber Fehlern sollte „Was können wir daraus lernen?“ statt „Wer ist schuld daran?“ sein.
Ressourcen und FähigkeitenArbeitnehmer sollten Zeit und Geld zum Experimentieren an ihren Lieblingsprojekten haben. Das Maß der Mittelverteilung, zum Beispiel von Budgets, Zeit, Material, Zugeständnissen und Informationen, beeinflusst Menschen psychologisch. Ihre Ansicht über den intrinsischen Wert der Projekte wird geformt. Ein bestimmtes Maß an Autonomie verschafft Mitarbeitern Sinn für Eigentümerschaft an ihrer Arbeit, mit allen positiven Folgen dieser Verantwortung.
Druck aus herausfordernder Tätigkeit übt einen positiven Effekt auf die Kreativität aus. Zeitdruck kann zu hoher Kreativität führen, allerdings nur bis zu einem bestimmten Grad. Wird Zeitdruck als Kontrollinstrument empfunden, entsteht ein negativer Einfluss auf die Kreativität.
Klima und KulturUm Kreativität zu unterstützen, sollten Unternehmenskultur und Klima dabei helfen, Problemezu identifizieren und zu lösen. Kreativität sollte als erwünscht und normal betrachtet werden und erfolgreiche Innovatoren als Vorbild dienen.
Offene und ehrliche Kommunikation zwischen allen Unternehmensmitgliedern ist dafür unverzichtbar. Zwischen Teammitgliedern muss es Vertrauen und ein offenes Diskussionsklima geben.
Struktur und SystemeDurch Gestalten und Einführen angemessener Systeme und Prozesse können Unternehmen hervorheben, dass Kreativität oberste Priorität hat – und gleichzeitig ihren Arbeitnehmern die Wahl lassen, wie sie ihre Ziele erreichen. Dezentralisierte Strukturen bieten diesen Freiraum und übertragen die Verantwortung an kreative Arbeitnehmer. Gut gestaltete Informationssysteme, zum Beispiel ein Intranet oder interne Wikis, verbessern darüber hinaus die Verbreitung kreativer Informationen.Test und TestauswertungBetrachten wir mithilfe von Tabelle 1 das kreative Klima in Ihrem Unternehmen. Beantworten Sie die Fragen direkt, überlegen Sie nicht länger als fünf Sekunden.
Sie haben mindestens elf Fragen mit „eher ja“ beantwortet: Herzlichen Glückwunsch, die Kreativität in Ihrem Unternehmen erfreut sich an ewigem Sommer. Arbeiten Sie weiterhin so intensiv an Ihrer Kreativität wie bisher!
Falls Sie mindestens sieben Fragen mit „eher ja“ beantwortet haben: Manchmal herrscht Frühling, manchmal Herbst für die Kreativität in Ihrem Unternehmen. Denken Sie genau darüber nach, warum Sie manche Fragen mit „eher nein“ beantwortet haben und wie Sie die Umstände, die dazu führen, ändern können.
Falls Sie die meisten Fragen mit „eher nein“ beantwortet haben: Alarm! Das kreative Klima in Ihrem Unternehmen ist in der Eiszeit angekommen. Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Sie sich eine Auszeit vom Alltag gönnen, um über die Förderung von Kreativität in Ihrem Unternehmen nachzudenken.
Der Kreativität auf die Sprünge helfen
Sollten Sie nach der Auswertung feststellen, dass Sie in die beiden letztgenannten Kategorien gehören, sollten Sie die fünf Schritte zu mehr Kreativität beherzigen.Schritt 1:Fördern Sie als Führungskraft die Weiterentwicklung Ihrer Mitarbeiter (Facilitative Leadership). Dies wird unterstützt durch eine ergebnisorientierte Vorgehensweise, die
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- den Zusammenhalt im Team stärkt,
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- Teamziele statt individueller Ziele setzt,
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- Teams statt Einzelpersonen belohnt,
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- Autorität delegiert sowie
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- Funktionen und Verantwortlichkeiten klar definiert.
Schritt 2:Unterstützen Sie die Arbeitnehmerkreativität. Fehler zu tolerieren und Arbeitnehmer zu Risiken zu ermutigen, entfacht und unterstützt Arbeitnehmerkreativität gleichermaßen.
Eine Unternehmenskultur, die Risikobereitschaft fördert, verbessert den kreativen Erfolg. Fokussieren Sie bei auftretenden Fehlern, was Sie und Ihr Team daraus lernen können.
Schritt 3:Verbessern Sie die kreative Kommunikation. Verfassen Sie eine Innovationsstrategie für Ihr Unternehmen, die einen innovativen Korridor vorgibt, in dem Sie Wettbewerbsvorteile schaffen möchten. Betrachten Sie Vision und Mission Ihres Unternehmens und schlüsseln Sie diese in individuelle Visionen und Missionen für jeden Arbeitnehmer auf. Alle Mitarbeiter sollen verstehen, inwiefern ihre Arbeit für den Erfolg des gesamten Unternehmens beiträgt. Schaffen Sie einen Innovationsprozess, wie neue Ideen generiert, bewertet, ausgewählt und umgesetzt werden.
Der nächste Schritt ist die Organisation der Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen und die gemeinschaftliche Arbeit an Ideen. Arbeitnehmer sollten Ideen nicht nur in ihrer eigenen Abteilung diskutieren, sondern über die Abteilungen hinweg, etwa mithilfe eines Wikis oder eines Intranets. So erhöhen Sie Vielfalt und Informationsfluss zu neuen Ideen.
Um Kooperation und Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen zu fördern, können Mitarbeiter – falls sinnvoll und nötig – an den Meetings anderer Abteilungen teilnehmen. Darüber hinaus ist eine einwöchige Jobrotation im Jahr hilfreich.Schritt 4:Befähigen Sie kreative Arbeitnehmer. Geben Sie Ideenschöpfern alle nötigen Mittel für die Umsetzung ihrer Ideen (Zeit, Geld usw.). Diese werden wie Kundenprojekte überwacht (legen Sie zum Beispiel Meilensteine und Budgets fest). Achten Sie vor, während und nach der Umsetzung auf
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- üppiges Lob für die Ideenschöpfer,
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- Hervorhebung ihrer schöpferischen Ideen,
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- Belohnung des Ideengebers und seiner Idee
Schritt 5:Trainieren Sie Ihre Arbeitnehmer laufend in ihrer Arbeit und in kreativen Problemlösungsmethoden. Trainings und Präsentationen von Mitarbeitern für Mitarbeiter anderer Abteilungen werden den Zusammenhalt fördern und ein besseres Verständnis für die Arbeit von Kollegen schaffen.
Weitere Effekte sind die Ideengenerierung und die verbesserte Kommunikation zwischen den Abteilungen.
Zusammenfassung
Es gibt einen Zusammenhang zwischen Innovation und Veränderung – je innovativer wir sind, desto mehr müssen wir uns verändern und anpassen. Um Innovation zu fördern und ein Unternehmen zu schaffen, in dem Kreativität floriert, ist es notwendig, das Management immer wieder neu zu definieren.
Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Warren Bennis hat gesagt, man könne auf zwei Arten kreativ sein: Man singt und tanzt, oder man schafft ein Umfeld, in dem sich Sänger und Tänzer entwickeln. Dieser Artikel soll Letzteres unterstützen, damit Sie im ewigen Sommer der Kreativität singen und tanzen können.
Literatur
[1] Amabile, Teresa M. (1998). How to kill creativity, in: Harvard Business Review September-October 1998 [2] Harvard Business Essentials (2003). Managing Creativity and Innovation. Harvard Business School Press [3] Henry, J. (2001). Creativity and perception in management, Sage [4] Von Stamm, B. (2003). Managing Innovation, Design & Creativity. John Wiley & Sons [5] What if! (2006). Sticky Wisdom: how to start a creative revolution at work, 12th reprint, Capstone PublishingDieser Beitrag als PDF und weiterführende Informationen (ähnliche Beiträge, technische Daten, Direktlinks zum Hersteller etc.) sind online verfügbar auf www.EuE24.net
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