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Fachbericht
Erschienen in: E&E Februar 2009, S. 68
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Zukunft sehen

Wo steht die Fernseh-Technologie im Jahr 2015?

100 Zoll Diagonale auf hauchdünnen Displays ohne jede Verkabelung – das könnte die Zukunft der Fernseher sein. Zumindest in den nächsten Jahren wird das aber wohl noch anders aussehen. Nur die hauchdünnen Displays kommen schon bald. * Michael Brunn

Rosige Zukunftsaussichten zaubern den Herstellern und Verkäufern von Flachbild-Fernsehern ein Lächeln ins Gesicht: Auch wenn der Job in Gefahr und die Rente nicht sicher ist, kauften die Deutschen 2008 Flachbild-Fernseher, als wollten sie die darbende Wirtschaft aus eigener Kraft ankurbeln. Den Gesamtumsatz für Unterhaltungselektronik beziffert der Branchenverband Bitkom mit rund 12,3 Milliarden Euro. Davon entfielen fast 40 Prozent – 4,9 Milliarden Euro – auf die flachen Fernseher. Auch 2009 ist kaum ein Ende abzusehen: Laut Befragungen wollen 18 Prozent der Deutschen sich in diesem Jahr einen neuen Fernseher zulegen. Wer in diesem Jahr ein TV-Gerät kauft, weiß noch ungefähr, worauf er sich einlässt. Für die nächsten Jahre gilt das nicht unbedingt, denn auch bei den Flachbild-Fernsehern ist die Entwicklung noch lange nicht am Ende.

Noch schärfere Bilder

Eine der größten Schwächen aktueller Flachbild-Fernseher ist die Bewegungsunschärfe. Das liegt vor allem daran, dass der Zustand eines Pixels für die Dauer einer Bildperiode bestehen bleibt. Erst wenn die angelegt Spannung sich mit dem Aufbau eines neuen Bildes ändert, wird der Zustand des Pixels geändert. Das Auge nimmt diese so genannte Erhaltungsdarstellung bei sich bewegenden Bildern wahr, das Bild verwischt auf der Netzhaut. Diese Bewegungsunschärfe konnte schon deutlich reduziert werden, aber die Entwicklung geht weiter.

Das derzeit wohl vielversprechendste Verfahren ist die Erhöhung der Darstellungsfrequenz. Fernsehbilder werden in Deutschland mit 50 Hz angezeigt. Schon bei Röhrenfernsehern haben die Hersteller diese Möglichkeit genutzt und bei

100 Hz einfach die Bilder wiederholt. Das bringt allerdings keine tatsächliche Verbesserung. Daher werden nun aus aufeinanderfolgenden Bildern neue Zwischenbilder berechnet. Jedes Bild ist bei 100 Hz nur noch halb so lange zu sehen wie bei 50 Hz, so kann das menschliche Auge getäuscht werden. Sony und Samsung arbeiten inzwischen sogar mit 200 Hz, dabei werden noch mehr Zwischenbilder berechnet. Jeder Hersteller hat seiner Variation dieser Technologie einen eigenen Namen gegeben: Bei Samsung heißt es Motion Compensation, Sony nennt es Motion Flow und bei Philips spricht man von Natural Motion.

Grüner fernsehen

Die Fertigung von LCD- und Plasma-Fernseher ist aus ökologischer Sicht nicht unproblematisch. Bei der Produktion werden große Mengen klimagefährdender Substanzen eingesetzt, beispielsweise Treibhausgase wie Schwefelhexafluorid und Stickstofftrifluorid. Das soll jetzt anders werden. Die Marktforscher von DisplaySearch gehen davon aus, dass bis 2014 alle Flachbild-Displays zu 100 Prozent "grün" sind. Das klingt zunächst einmal beeindruckend, ist es in der Praxis aber nicht. Denn es reicht schon aus, eines der recht schwammigen Kriterien wie beispielsweise der Herstellung aus umweltfreundlichen Materialien oder der Einhaltung von Umweltschutzverordnungen zu erfüllen.

DisplaySearch teilt die Entwicklung in verschiedene Phasen ein: Das Jahr 2008 gilt als Entwicklungsjahr, in dem 20 Prozent der produzierten Geräte die Kriterien erfüllten. 2009 soll das Jahr der Implementierung werden, 2010 folgt die "Green Promotion". 2011 soll dann jedes zweite Display den Kriterien entsprechen, bevor das 2014 für alle Geräte gilt.

Gründe für die Umstellung gibt es viele. Zum einen geben immer mehr Länder entsprechende Regeln vor. Zum anderen lassen sich Kosten bei der Herstellung sparen. Die Möglichkeiten sind zahlreich: Denkbar sind beispielsweise ökologischere Designs mit neuen Zellstrukturen oder der Einsatz neuer Technologien wie PSA, COA, AMVA oder SHA. Im Produktionsprozess kann mit dem Tintenstrahldruck der Farbfilter, Rolle-zu-Rolle-Produktion und dem Verzicht auf giftige Gase die Umwelt geschont werden. An dieser Stelle kommen OLED-Displays ins Spiel. Diese Technologie wird als von Natur aus ökologisch betrachtet, da sie aufgrund ihrer einfacheren Struktur weniger Material und Energie verbrauchen.

Alternative OLED

Nicht nur unter ökologischen Gesichtspunkten stellen OLED-Displays eine Alternative zu LCD und Plasma dar. Die Vorteile liegen dabei zum einen im Herstellungsprozess: OLEDs lassen sich auf nahezu jedes Material drucken, was nicht nur die Herstellung günstiger macht, sondern auch neue Formate für Fernseher ermöglicht. Da OLEDs auf nahezu jedes Substrat auftragen werden können, sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Theoretisch lässt sich der Fernseher von morgen an die Wand oder die Decke kleben.

Aber auch bei der Bildqualität haben OLEDs einiges zu bieten: Da sie ohne Hintergrundbeleuchtung auskommen, ist der Kontrast sehr hoch. LCDs wirken als farbige Filter, OLEDs hingegen emittieren farbiges Licht. Dies führt zu einem deutlich geringen Stromverbrauch und einer geringeren Wärmeentwicklung. Da kein Platz für die Hintergrundbeleuchtung benötigt wird, können OLEDs sehr dünn gestaltet werden. Sony hat 2008 bereits ein Modell mit einer Tiefe von 0,3 Millimetern gezeigt. Auch bei den klassischen Schwächen der LCD-Fernseher überzeugen OLEDs: Während LCDs kaum über 160 Grad hinauskommen, bieten OLEDs Blickwinkel von bis zu 170 Grad. Zudem ist die Schaltzeit mit 1 Mikrosekunde deutlich geringer als bei LCDs.

Die große Schwäche der OLEDs ist derzeit noch die Lebensdauer: Die roten, grünen und blauen Punkte eines Pixels altern unterschiedlich schnell. Dadurch kommt es auf Dauer zu einer Farbverschiebung, die nur bedingt behoben werden kann. Allerdings muss man bei den Angaben zur Lebensdauer von OLEDs Vorsicht walten lassen: Die Lebensdauer hängt immer von der Kühlung und der Leuchtstärke ab, zudem wird die Lebensdauer selten tatsächlich gemessen, sondern aus dem kürzesten Wert extrapoliert. Derzeit haben die Hersteller auch noch mit stark steigenden Kosten bei steigenden Displaygrößen zu kämpfen.

Leider ist das alles im Moment größtenteils noch Zukunftsmusik. Derzeit ist lediglich ein 11-Zoll-Fernseher von Sony im Consumer-Markt verfügbar – zum Preis von etwa 4.000 Euro. Samsung hat für 2009 die Aufnahme der Massenproduktion angekündigt, LG will 2011 mit einem 32-Zoll-Modell folgen. Andere Hersteller arbeiten zwar an OLED, haben aber noch keine konkreten Ankündigungen gemacht.

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