Tschip-Tschip --- "Game over". Was da piept, ist kein Nintendo DS, sondern das Handy – oder genauer, das 3D-Game-Applet auf ihrem Smartphone, das auch gleich noch mit Ihrer Musikdatenbank zusammenarbeitet und ihre unmittelbare Umgebungdank GPS an Bord ins Spiel integriert. Und während der "normale" Handymarkt mit viel Preisdumping und immer geringeren Margen vor sich hin vegetiert, werden Smartphones und Handhelds zum Treiber im Mobilmarkt. Die Szene derer, die dafür die neuesten Applikationen basteln, ist dabei mehr in Bewegung denn je.
Denn "smart" werden diese Gerät durch ihre Flexibilität, die sie ihren Betriebssystemen verdanken. OS 3.0, Android, SymbianOS, PalmOS, RIM OS von Blackberry oder auch Windows Mobile sind als mobile Betriebssysteme (OS) die Helfer im Hintergrund, die die Smartphones zum Minicomputer werden lassen – der weitaus mehr kann als telefonieren, Daten speichern oder Bilder verwalten. Und weitaus mehr als gewöhnliche Handys, die lediglich Java-Applets ausführen können, jedoch keine Möglichkeit bieten, native Software zu installieren.
Um vorhersagen zu können, woher dabei der Wind weht, ist es wichtig, die Marktanteile im Blick zu behalten: Das Apple iPhone mit Verkaufszahlen zwischen 4 und 6 Millionen Stück in den vergangenen vier Quartalen ist derzeit der Gewinner unter den Smartphones. Aber so sehr der Touchscreen, der Schüttel- und Drehmechanismus und all die Verfeinerungen des iPhones die Nutzer auch begeistern: Apple ist preisliche Oberklasse und damit einem Teilmarkt vorbehalten. Wer also wird das Rennen auf dem übrigen Feld machen, fragen sich – nicht nur – die Marktanalysten, sondern vor allem auch die Entwickler, die in Zukunft von den von ihnen entwickelten Applikationen leben möchten. Auf welchem System werden zukünftig die besten Spiele, Reiseführer, Haus-Überwachungssysteme, Content-Management-Systeme für Quizspiele, Chatprogramme und Sportapplikationen laufen?
Lange galt Symbian als der große Gewinner. Dazu Tobias Stoeger, von Stoeger IT in München: "Das Problem von Symbian ist, dass sogar auf jedem Nokia-Handy eine andere Version des Betriebssystems läuft – von den anderen Anbietern ganz zu schweigen – und wir deshalb für jeden Handytyp eine eigene Version programmieren mussten." Die Folge, so Stoeger und seine Kollegen aus der Applikationsentwicklung beim Mobile Monday vor einigen Wochen in München: "Die Symbian-Entwickler für die Apps laufen derzeit scharenweise weg."
Sie laufen entweder in Richtung iPhone. Denn dieses bietet seinen Nutzern einen zentralen Shop für die inzwischen angeblich 65.000 Applikationen, wodurch sich aufgrund der Zahl der Nutzer in diesem Bereich, so Stoeger "wirklich Geld verdienen lässt". 1,5 Milliarden Downloads wurden nach Angaben von Apple im vergangenen Jahr dort getätigt. Außerdem sei beim OS zwar genau wie bei Symbian der Code nicht offengelegt –"dafür existiert aber eine 1A-Dokumentation, auf die man sich bei den Schnittstellenspezifikationen absolut verlassen kann." Symbian sei dagegen wie "Jugend forscht" – "Man fängt irgendwo an, macht alles richtig und weiß doch nicht, ob das Ding je läuft." Immerhin: Um die shopseitige Zersplitterung in den Griff zu bekommen, ist von der Stiftung "Symbian Foundation" als Gemeinschaft der Symbian-Nutzer zur Vertriebsunterstützung für die Entwickler eine Art Verlag namens "Horizon" geplant, der die besten Applikationen an die Shops verteilen soll.
Die andere Gruppe der Programmierer bewegt sich in Richtung Android, einem Linux-basierten Betriebssystem. Hier liegt der Code offen. Jedoch existieren community-üblich unendlich viele kleine Shops im Internet, die alle einzeln als Vertriebskanal für ein Spiel oder eine andere Applikation gewonnen werden müssen, was das Geldverdienen mit Android-Apps derzeit, so die leidtragenden Pioniere, noch schwierig bis fast unmöglich mache. "Aber wir sehen hier ganz klar die Zukunft", sagt Vivien Dollinger, Geschäftsführerin von Greenrobot in Gründung. "Wir machen derzeit zum Geldverdienen auch Symbian und Apple, aber unsere Zukunftsentwicklungen – mehrere sehr hübsche Spiele und Contentsysteme – sind Android-basiert. "Wir brauchen uns den Siegeszug des HTC Magic und nun der neuen HTCs ja nur anzusehen, um zu wissen, wo es hingehen kann."
Wohin sich derzeit keiner bewege, das sei Windows Mobile – darüber waren sich im Juni die Entwickler in München einig. Organisator und Moderator Harald Müller merkt gar launig an, dass für Windows Mobile Applikationen "eigenartigerweise" keine Entwickler vor Ort seien. "Ohne Schnittstellendokumentation oder offenen Code keine Applikationen. Game over für Windows", fasst ein Experte von HTC für die Applikationsentwicklung die Situation unter allgemeiner Zustimmungsbekundung zusammen. Andererseits haben Ende Juli soeben LG und Samsung mit einem Omnia-Modell für den koreanischen Markt Kooperationen mit Microsoft angekündigt. Beide arbeiten jedoch auch an der Symbian Foundation mit und entwickeln Android-Smartphones. Und was sagen die Analysten? Sie teilen vorwiegend Vivien Dollingers optimistische Prognose für Android. Nicht zuletzt ist derzeit überall zu lesen, dass Motorola ein "Speed-up" für seine Android-Smartphoneentwicklung bis Jahresende plant. Steckt dahinter die Angst, von HTC abgehängt zu werden? Zumindest wird die Markteinführung des neuen, deutlich günstigeren HTC Hero derzeit in Europa von den Analysten sorgfältig beobachtet – und überwiegend beklatscht. Harald Müller, Organisator der einschlägigen Szene Mobile Mondays in München: "Wir brauchen wenig Fantasie, um zu erkennen: Smartphones werden weitgehend das ‚normale Handy‘ ablösen. Dazu braucht es günstigere Alternativen als das iPhone – hier wird Android gewinnen."
Denn Android läuft auch auf billigeren Handhelds und Smartphones – und zwar ohne Netzbindung, wie sie das iPhone in Deutschland hat. Seit der neusten Version auf dem neuen HTC-Gerät scheint Android zudem nach Angaben der anwesenden Entwickler nun auch äußerst stabil zu laufen. Nicht zuletzt deshalb wabern daher fleißig Gerüchte um die nahe Einführung von Samsung- oder LG-Smartphones mit Android-Betriebssystem. Dass beide an entsprechenden Geräten arbeiten, ist seit Langem bekannt.
Und dann beginnt endgültig der Kampf um die Killer-Applikationen. Kaum verwunderlich, dass sogar schon in der Tagespresse über Apple berichtet wird: "Im Wettbewerb mit dem mobilen Google-Betriebssystem Android öffnet sich Apple auch mehr als bisher für freie Entwickler. Das aktualisierte SDK (Software Development Kit) zum iPhone enthält mehr als 1.000 neue Programmierschnittstellen (APIs)." Denn, so der programmatische Satz eines HTC-Entwicklungsexperten am Mobile Monday: "Wenn die Geräte sich immer ähnlicher werden, bestimmen bald die verfügbaren Applikationen die Entscheidung der Käufer."
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