(Bild: Skynesher)
Erschienen in: E&E April 2011, S. 62
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Es kommt auf das Klima an

Was wünscht sich ein Entwickler: Einen Porsche, ein kostenloses Mittagessen und 15 Monatsgehälter? Weit gefehlt: Um kreativ arbeiten zu können, muss man sich offenbar vor allem am Arbeitsplatz wohlfühlen und von seinen Vorgesetzten unterstützt werden. * Michael Brunn, E&E

Das Bemühen im Kampf um die klügsten Köpfe kann man sicher keinem Unternehmen absprechen – allerdings stellt sich immer die Frage: Was sind denn tatsächlich die Faktoren, die den Berufsalltag für einen Elektronik-Entwickler interessant machen? Genau das wollten wir von unseren Lesern wissen. Mehr als 200 E&E-Leser haben unsere Fragen beantwortet. Damit erhebt unsere Befragung sicher nicht den Anspruch, repräsentativ zu sein – einen Einblick in die Arbeitswelt unserer Leser gibt sie allemal.

Was macht für Sie einen guten Arbeitgeber aus?

* E&E

Wie wichtig sind Ihnen folgende Kriterien in Ihrem Beruf?

* E&E

Was wären Gründe für Sie, den Arbeitgeber zu wechseln?

* E&E

Welche besonderen Leistungen bietet Ihr Arbeitgeber?

* E&E

Was würden Sie anders machen, wenn Sie Chef wären?

* E&E

Welche Möglichkeiten zur Weiterbildung nutzen Sie?

* E&E

Wie oft im Jahr bilden Sie sich weiter?

* E&E

Welche Ausbildung haben Sie absolviert?

* E&E

Wieviel Mitarbeiter hat das Unternehmen, in dem Sie derzeit arbeiten?

* E&E

Wie lange arbeiten Sie schon bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber?

* E&E

Wie zufrieden sind Sie derzeit mit Ihrem Job?

* E&E

Angenehmes Umfeld und Wertschätzung

Nicht die Bezahlung, nicht der Dienstwagen und auch nicht das Aufgabengebiet sind für Elektronik-Entwickler das entscheidende Wohlfühl-Kriterium. Fast zwei Drittel aller Befragten nannten ein gutes Betriebsklima als wichtigsten Faktor eines guten Arbeitgebers. Darunter mag jeder etwas anderes verstehen, grundsätzlich geht es um ein angenehmes Umfeld, in dem man seinen Aufgaben nachkommen und mit Kollegen und Vorgesetzten vertrauensvoll zusammenarbeiten kann. Ein Leser formulierte es so: „Er [der Arbeitgeber] kümmert sich um das ‚Wohlbefinden‘ seiner Mitarbeiter und respektiert und achtet den Menschen.“ „Er muss mich als Persönlichkeit sehen“ lautete hier eine andere Antwort. Auch die Förderung und Motivierung der Mitarbeiter hat mit 35,1 Prozent noch einen höheren Stellenwert als Gehalt und Sozialleistungen mit 32,5 Prozent. Dabei sprechen viele der Befragten von einer „angemessenen“ Bezahlung – auch dieses Kriterium bietet sicher viel Spielraum für Interpretationen. Den allgemeinen Tenor bei dieser Frage trifft vielleicht die folgende Antwort am besten: „Ein guter Arbeitgeber muss seine Mitarbeiter fördern, ihnen Gehör schenken, sie an wichtigen Entscheidungen beteiligen, besondere Leistungen belohnen (Wertschätzung) und für gute Ausstattung und ein gutes Arbeitsklima sorgen.“ Zu denken geben sollte allerdings die Antwort eines offenbar jungen Lesers: „Warum sollte ich als Abiturient in Deutschland Elektrotechnik studieren, wenn die großen Konzerne nur noch in Asien und Indien junge Absolventen einstellen?“ Unter diesem Gesichtspunkt spielen dann die anderen Kriterien natürlich keine Rolle mehr – und er rückt die Diskussion über den Fachkräftemangel in ein etwas anderes Licht.

Interessante Aufgaben statt Status

Was ist einem Elektronik-Entwickler aber nun in seinem aktuellen Arbeitsverhältnis besonders wichtig? Wir haben 15 Kriterien zur Auswahl gestellt, die von 0 bis 10 bewertet werden konnten. Aus dem Ergebnis haben wir Durchschnittswerte gebildet (siehe Tabelle). Und auch hier findet sich das Gehalt erst an vierter Stelle. Das Wichtigste ist für einen Entwickler demnach ein interessantes Aufgabengebiet. Kompetente Vorgesetzte folgen direkt an zweiter Stelle – dieser Aspekt wird auch im Folgenden noch eine wichtige Rolle spielen. Auch die Fortbildung nimmt noch einen größeren Stellenwert ein als das Gehalt. Relativ uninteressant sind hingegen zusätzliche monetäre Leistungen wie beispielsweise ein Essenszuschuss oder Fitnessangebote. Und völlig abgeschlagen am Ende landet der Dienstwagen. Das klassische Statussymbol hat zumindest für Elektronik-Entwickler seine Bedeutung verloren.

Gehen, wenn es nicht mehr passt

„Für eine interessantere Aufgabe mit mehr Perspektive und Verantwortung würde ich den Arbeitgeber wechseln.“ So oder ähnlich haben sich fast 40 Prozent der Befragten auf die Frage geäußert, was sie zu einem Wechsel motivieren würde. Mit 44 Prozent das wichtigste Kriterium ist hier allerdings das Gehalt. Und das steht nicht unbedingt im Widerspruch zu den anderen Antworten: Wer grundsätzlich mit seiner Arbeit zufrieden ist, würde eben nur für viel mehr Geld wechseln. So antwortete ein Leser: „Ich würde für ein deutlich höheres Gehalt wechseln – aber nur, wenn die anderen Rahmenbedingungen stimmen.“ Das Geld alleine ist hier auch nicht ausschlaggebend.

„Management by Champignon“

Eine ganz wichtige Rolle spielen hier wieder die Vorgesetzten. So wurden beispielsweise „von nicht kompententen Leuten falsche Entscheidungen bei Entwicklungsfreigaben“, „Gier des Managements“, „unfähige Gutsherren-Vorgesetzte“, „inkompetente Vorgesetzte und daraus entstehende Fehlentscheidungen“ und „Management by Champignon“ als Wechselgründe genannt. Aber es sind nicht immer nur die direkten persönlichen Interessen, die den Ausschlag für einen Wechsel geben können, vielmehr haben viele der Befragten durchaus das gesamte Unternehmen im Blick. „Die Qualität der Produkte und Leistungen steht im Vordergrund. Würde die Geschäftsleitung einen andern Kurs einschlagen, dann könnte ich diese Firma nicht mehr mit gutem Gewissen vertreten“, lautete beispielsweise eine Antwort. Auch „eine langfristige Strategie und solide Investitionen in Forschung und Entwicklung“ wird von einem Arbeitgeber erwartet. Und schließlich stellte ein Leser unmissverständlich klar, wann es Zeit für einen Wechsel ist: „Wenn ich die Interessen meines Arbeitgebers nicht mehr mit meinen Interessen vereinbaren kann.“ Und auch hier spielt Bildung eine Rolle: „Ausbildungs- und Fortbildungsstrategien sind das „Non plus Ultra“ eigentlich in jeder Branche. Der Fachkräftemangel wurde regelrecht gezüchtet.“

Kein „Business by accident“ mehr

Kritik zu üben ist immer leicht, wenn man nicht verantwortlich ist. Daher wollten wir auch wissen, was unsere Leser anders machen würden, wenn sie selber das Ruder in der Hand hätten. Dabei fiel die Antwort nicht immer so drastisch aus wie bei diesem Leser: „Ich würde den kompletten Betrieb umkrempeln.“ Allerdings waren auch bei keiner Frage die Antworten differenzierter. So gab einer der Befragten zu, die Frage eigentlich nicht beantworten zu können: „Das kann ich kaum beurteilen, die kaufmännischen Zwänge von oben sind wahrscheinlich extrem stark.“ Auch gibt es durchaus Lob für Vorgesetzte: „Ich bin mit meinem Chef zur Zeit sehr zufrieden, weshab ich auch nichts anders machen würde.“ Aber natürlich gibt es reichlich Änderungsbedarf. Vor allem die Kommunikation und die Beteiligung der Mitarbeiter würden viele der Befragten verbessern wollen. „Ich würde die Mitarbeiter mehr in die Verantwortung nehmen und in die Entscheidungsprozesse mit einbeziehen.“ lautet eine Antwort. „Ich würde für meine Mitarbeiter ein Umfeld schaffen, dass diese gerne und motiviert im Unternehmen arbeiten“ eine andere. In manchen Fällen fiel die Antwort aber auch drastischer aus: „Mehr Führungskraft sein als nur Vorgesetzter. Mehr Strategie als business by accident“, lautet eine Fazit. Noch drastischer formulierte es ein anderer Leser: „Ich würde profesionell arbeiten und meine Führungsaufgaben wahrnehmen. Hier regiert das selbstorganisierte Chaos.“ Ein Leser bringt es auf den Punkt: „Wichtig ist eine klare Zielrichtung und kein Zick-Zack-Kurs.“

Wenig Zusatzleistungen

Trotz eifriger Bemühungen um die Mitarbeiter sieht es bei Zusatzleistungen relativ mau aus. Nur bei etwa der Hälfte der Befragten wurden überhaupt Zusatzleistungen genannt. Dabei steht die Alters- und Gesundheitsvorsorge mit 28 Prozent ganz weit vorne. eine eigene Kantine oder einen Essenszuschuss gibt es bei 16 Prozent der Befragten. Zusätzliche finanzielle Leistungen wie Boni, Erfolgsbeteiligung oder Weihnachtsgeld nannten 11 Prozent. Selbst flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, im Home Office zu Arbeiten, gibt es nur bei 10 Prozent. Alle anderen Kategorien sind eigentlich nicht mehr erwähnenswert.

Weiterbildung ist wichtig

Etwas mehr als 20 Prozent der Befragten bilden sich öfter als drei Mal im Jahr fort - eine durchaus beeindruckende Zahl. Dem stehen lediglich etwa 7 Prozent gegenüber, die sich überhaupt nicht fortbilden. Für die meisten Entwickler liegt die Zahl der Fortbildungen irgendwo zwischen ein und drei Mal pro Jahr. Interessant ist auch, welche Möglichkeiten genutzt werden: Elf Prozent der Befragten bilden sich nur privat fort - meistens deshalb, weil der Arbeitgeber keine Fortbildungsmaßnahmen anbietet bzw. ermöglicht. Das ist ein Armutszeugnis für jedes Unternehmen. Externe Veranstaltungen spielen mit 42 Prozent die wichtigste Rolle bei der Fortbildung, gefolgt von innerbetrieblichen Schulungen, Messen und Fachlektüre. Online-Schulungen spielen derzeit mit 8,5 Prozent nur eine untergeordnete Rolle.

Nicht richtig unzufrieden

Natürlich wollten wir auch noch wissen, wie zufrieden die Befragten mit ihrem derzeitigen Arbeitsplatz sind. Bewertet wurde auf einer Skala von 1 (sehr unzufrieden) bis 10 (Sehr zufrieden). Und sehr zufrieden sind gerade einmal 6,31 Prozent. Demstehen allerdings auch nur 2,43 sehr unzufriedene gegenüber. Im Durchschnitt lag die Bewertung bei 6,43 - das heißt vermutlich so viel wie: Irgendwie ganz in Ordnung.

Geld alleine ist zu wenig

Dass Geld alleine nicht glücklich macht, ist keine neue Erkenntnis. Unternehmen sollten lernen, dass auch ein üppiges Gehalt nichts nützt, wenn andere Rahmenbedingungen nicht stimmen. Ein gutes Betriebsklima, spannende Aufgaben und kompetente Vorgesetzte – das sind die Kriterien, die Elektronik-Entwicklern wirklich wichtig sind. Das Gehalt muss stimmen – aber andere Faktoren lassen sich oft mit wesentlich geringerem Aufwand verbessern und sind möglicherweise erfolgversprechender.

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