Erschienen in: E&E Mai 2011, S. 31
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„Die Kosten, die man heute noch in den Fabriken hat, sind letztlich Energiekosten.“

Publish-industry-Verleger spricht mit Dirk Schallock, Sprecher der Geschäftsführung ebm-papst St. Georgen über GreenTech und was dahinter steckt. *  Im Gespräch: Dirk Schallock, ebm-Papst St. Georgen Foto: publish-industry  

Kilian Müller: Das Schlagwort „GreenTech“ wird von vielen Firmen verwendet. Was verstehen Sie bei ebm-papst darunter?

Dirk Schallock: GreenTech ist eine Zusammenfassung aller Unternehmensaktivitäten unter einem neuen Logo. Das zeigt, dass wir schon in der Vergangenheit in allen verschiedenen Bereichen nachhaltig ökologisch gewirtschaftet haben. GreenTech bedeutet als oberster Leitsatz, dass jedes neue Produkt, das wir entwickeln, ökonomisch und ökologisch besser sein muss als sein Vorgänger. Im Entwicklungsbereich bedeutet es zum Beispiel, dass wir nachwachsende Rohstoffe einsetzen: Holz oder Kunststoffe mit natürlichen Ölen statt Erdöl.Es bedeutet aber auch, dass neben der Entwicklung ökologischer Produkte der gesamte Produktionsprozess in diese Richtung geht: Wir bauen Fabriken auf, die einem ökologischen Ziel dienen. Wir haben eine Fabrik am Standort Hollenbach gebaut mit einem Invest von fast 20 Millionen Euro, die energieautark ist. Damit haben wir einen Umweltpreis gewonnen. Es ist ja auch das Ziel, dass wir mit GreenTech an die Öffentlichkeit gehen. Aber das Wichtigste für uns ist, dass unsere Kunden einen nachhaltigen Vorteil haben. Dadurch, dass wir die Produkte nachhaltig entwickeln, lohnt es sich für unsere Kunden, diese Produkte einzusetzen, weil sie sich sehr schnell amortisieren. Vor allen Dingen machen wir einen großen Schritt von der alten AC-Technologie zur neuen EC-Technologie, was zu Produkten mit einer Energieeinsparung von bis zu 50 Prozent führt. Das ist ein ganzer Strauß an Themen, die wir im Unternehmen treiben – zusammengefasst unter dem Logo GreenTech.

Ebm-Papst steht für Luft- und Antriebstechnik. Gerade die Kühltechnik verbraucht in Geräten viel Energie. Sie kommen also ursprünglich von der Idee, den Energieverbrauch der zu kühlenden Geräte zu senken, haben daraus den Begriff GreenTech für sich im Unternehmen abgeleitet und dann durchdekliniert?

Gerade im Bereich der Kühlketten, die in Asien stark wachsen, aber auch in Europa sehr stark kostengetrieben sind, sind heute die Energiekosten die Hauptkosten. Wenn Sie da wettbewerbsfähig sein wollen, müssen Sie im Energieverbrauch sowohl der Kühltechnik als auch der Klimatisierung der Räume stark nach unten gehen. Daher ist ein großes Interesse unserer Kunden, energieoptimale Produkte zu bekommen. Wir haben diesen Trend aufgenommen und überlegt, mit welchen Technologien wir wirklich drastisch Energie einsparen können – nicht nur im Produktionsprozess, sondern auch für die Kunden. Wir haben gesehen, dass wir mit der EC-Technologie den Energieverbrauch um 40, 50 Prozent senken können. Es ist aber auch so, dass wir sogar in der Luftführung, also an den Schaufeln selber, neue Designs verwirklicht haben, die auch noch mal 25 bis 30 Prozent Energieeffizienz in den gesamten Kühlkreislauf gebracht haben.

Sie sagen: „GreenTech ist vorausschauende Entwicklung“. Was bedeutet das?

Rohstoffe werden sich nicht beliebig ergänzen lassen auf der Welt. Es gibt ein Buch von Prof. Carl-Friedrich von Weizsäcker, das heißt: Faktor 4. Darin heißt es: „Wenn die ganze Welt mit den vorhandenen Ressourcen auf ein Niveau der westlichen Länder kommen will, dann müssen wir die Ressourceneffizienz vervierfachen.“ Und wir überlegen uns einfach, wie wir aus den nachwachsenden Ressourcen eine Umstellung machen – einmal der Materialien, die wir in unseren Produkten verwenden, zum anderen gehen wir mit dem Produkt selber den Weg, dass es extrem energieeffizient entwickelt und produziert wird. Das rechnet sich am Ende des Tages auch immer, so dass die gesamte Kette von der Entwicklung über die Konstruktion bis hin zur Produktion eben in der Nachhaltigkeit gestärkt wird. Und das rechnet sich für unser Unternehmen von der Marktseite, aber auch von der reinen Kostenseite im Unternehmen.

Das heißt also: Auch für den Kunden ergibt sich ein Kostenvorteil?

Wenn der Kunde sich für ein EC-Produkt entscheidet, bekommt er erst einmal ein grundsätzlich teureres Produkt. Es rechnet sich aber bei ihm in den Kühlketten innerhalb von einem Jahr durch die Energieeinsparung. Strom wird teurer, wir haben jetzt die Japan-Krise, wir werden Atomreaktoren abschalten. Allein wenn wir heute schon die Kosten nehmen, die wir beim Strom haben, rechnet sich eine Umstellung von alter auf neue Technologie normalerweise innerhalb eines Jahres. Da solche Produkte ja jahrelang betrieben werden, hat der Kunde trotz eines höheren Preises am Anfang langfristig die bessere Alternative gewählt.

Hier kommt also wieder die Total-cost-Betrachtung für den Kunden in den Vordergrund, die es dann natürlich im Verkauf zu vermitteln gilt.

Genau. Wir haben ein sehr großes Vertriebsnetz, wir haben 57 Vertriebsniederlassungen in der Welt und weit über 500 Mitarbeiter. Denen muss man natürlich mit aufwändigen Schulungen beibringen, dass sich die Produktpalette verändert und wie man die neuen Produkte in den Markt bringt.

Eine spannende Frage aus Kundensicht ist ja: Ist das, was ich vermeintlich unter dem Begriff „Green“ kaufe, auch tatsächlich grün? Wie kann man das als Unternehmen belegen?

Wir zeigen es einmal ganz klar durch die Effizienzrechnung. Man kann ganz einfach hergehen und sagen: Ein Produkt, das sehr modern ist, das EC-Technologie enthält, kostet entsprechend mehr. Wir bringen aber die Einsparung. Wir zeigen unseren Kunden, was wir unter GreenTech verstehen. Wir bringen das auch sehr intensiv in die Öffentlichkeit. Wir zeigen, dass es die Entwicklung ist, dass es die Ideen sind, dass es aber auch der ganze Produktionsprozess ist. Wir stellen uns der Aufgabe, unsere Fabriken umzubauen. Wir können unseren Kunden sowohl im Entwicklungsbereich durch das Produkt als auch bei uns in der Produktion zeigen, dass wir diesen Nachhaltigkeitsgedanken langfristig ver- folgen, dass das nicht nur ein Marketing-Gag ist. Und die Preise, die wir bekommen, zeigen, dass wir geprüft ganz klar optimiert in die Zukunft gehen.

Sehen Sie ihre Aktivitäten als ein Beispiel dafür, dass sich der Standort Deutschland mit dieser nachhaltigen Aufstellung industrieller Fertigungskompetenz im Weltmarkt behaupten kann?

Wir haben in Deutschland ja immer ein Kostenproblem. Wir reden meistens von den Löhnen. Es ist vieles schon ins Ausland verlagert worden. Aber die Prozesse, die Kosten, die man heute noch in den Fabriken hat, sind letztlich Energiekosten. Bei uns sind Strom und Gas große Kostenblöcke im Unternehmen und wenn sich ein deutsches Unternehmen intelligent darum kümmert und richtige Lösungen findet, dann ist es auch absolut ein Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit.

Wo sehen Sie zukünftige Potentiale für Ihr Unternehmen? In welchen Märkten wollen Sie sich stärker engagieren?

Wir haben den großen Bereich der erneuerbaren Energien. Der wird durch die Katastrophe in Japan, durch das Abschalten von Atomkraftwerken, aber auch durch die neue Regierung, die wir in Baden-Württemberg haben, weiter vorangetrieben. Wir reden heute einmal über die Energieeinsparung, aber auch bei der Windkraft sind wir sehr aktiv, bei der Solarenergie mit Kühlungssystemen für Frequenzwechselrichter. Das sind Industrien, die bei uns geradezu explodieren. Wir denken, dass die Diskussion, die jetzt kommt, diesen Trend weiter verstärken wird. Wir sehen starke Wachstumsfelder bei den erneuerbaren Energien, wo wir unsere Produkte platzieren können.☐

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